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Maja Gerber-Hess
Das Schreiben ist eine grosse Freude!
Die Schweizer Kinder- und Jugendbuchautorin Maja Gerber-Hess im Gespräch mit Schreibszene Schweiz .
Interview: Karin Jörger-Egger
Maja Gerber-Hess arbeitete als Kindergärtnerin und Bibliothekarin und
begann schon früh zu schreiben, zuerst für ihre eigenen Kinder, später
auch für Jugendliche und Erwachsene. Ihr erster grosser Erfolg waren
die tagebuchartigen Aufzeichnungen Das Jahr ohne Pit, in denen sie den
Selbstmord eines Jugendlichen verarbeitet. Mit ihrem zweiten
Jugendroman, Reto, HIV-positiv, erregte sie Aufsehen im ganzen
deutschen Sprachgebiet.
Schsch: Guten Tag Frau
Gerber-Hess. Vielen herzlichen Dank für Ihre Bereitschaft, uns, der
Schreibszene Schweiz, einige Fragen rund ums Schreiben zu beantworten.
Sie schreiben vorwiegend für Jugendliche, was jedoch nicht bedeutet,
dass nicht auch Erwachsene gerne Ihre Bücher lesen. Wie kamen Sie zum
Schreiben und warum entschieden Sie sich für die junge Leserschaft?
Maja Gerber-Hess: Ich hatte bereits als Kind gerne geschrieben! Das Schreiben war, ist und bleibt für mich ein Hobby.
Als meine Kinder geboren wurden, begann ich, für sie Erzählungen zu
erfinden und aufzuschreiben, Bilderbücher anzufertigen. Ein Gast
unseres Hauses hatte dann ein solches Büchlein entdeckt, und weil es
ihm sehr gefiel, hat er mich ermutigt, den Text an einen Verlag zu
senden. Das wagte ich - und so entstand 1979 mein allererstes
Kinderbuch!
Je älter meine eigenen Kinder wurden, umso mehr veränderten sich
natürlich auch ihre Interessen, - und aus Kinderbüchern wurden
Jugendbücher. Eine Mutter lebt ja sehr intensiv mit ihren Kindern mit.
Da mich die Zeit des Heranwachsens interessiert, schreibe ich auch
sehr gerne für Jugendliche. In einer relativ kurzen Zeitspanne passiert
in ihrem Leben sehr viel: Die Jugendlichen lösen sich vom Elternhaus,
müssen sich mit der beruflichen Zukunft auseinander setzen, machen ihre
ersten Liebeserfahrungen.
Schsch: Wie ist der Markt für
Jugendbücher? Lesen die jungen Leute überhaupt noch und müssen Sie, um
interessant für die Jugendlichen zu sein, sich in deren Jargon
ausdrücken?
Maja Gerber-Hess: Ich denke,
pro Schulklasse ist der Prozentsatz an Lesern gleich gross- oder klein!
- geblieben. Es sind vorwiegend Mädchen, die Romane lesen. Der
Geschmack wandelt sich natürlich, seit einigen Jahren sind Bücher à là
Harry Potter gefragt. Manche Autoren passen sich diesen Bedürfnissen
und dem Jargon der Jugendlichen an. Ich persönlich tu das so wenig wie
möglich.
Schsch: Wie finden Sie zu Ihren
sehr mutigen, zum Teil tabubrechenden und herausfordernden Themen?
Haben Sie Kontakt zu jungen Menschen, die so etwas selber erlebt haben?
Maja Gerber-Hess: Die Themen ‚kommen zu mir’, - ich habe sie nie gesucht!
Anstoss zum ersten Jugendbuch –Suizid eines Schülers- gab der
Selbstmord eines mir sehr nahe stehenden Jugendlichen. Sein Freitod
hatte mich so aufgewühlt, dass ich via Schreiben versuchte, der Ursache
auf den Grund zu gehen, eine Diskussion zu eröffnen, das dunkle Thema
ans Licht zu ziehen und Hilfsmöglichkeiten in einen Text einzuflechten.
Bald nach Erscheinen dieses Buches 'Das Jahr ohne Pit' schlug die
Aidshilfe vor, ein Buch über Aids zu schreiben. Ich werde oft von
Fachstellen angefragt, ob ich zu einem bestimmten Thema einen Roman
schreiben würde. In die entsprechenden Themen vertiefe ich mich
gewissenhaft und gründlich, lerne immer auch persönlich Betroffene
kennen, lese darüber und spreche mit Fachleuten.
Schsch: Bemerken Sie den
Unterschied zwischen den Jugendlichen Ihrer Generation und der Jugend
von heute? Wie äussert sich dieser Unterschied und worin liegt für Sie
die grösste Herausforderung, für die heutige Jugend interessant zu
schreiben?
Maja Gerber-Hess: Die heutigen
Jugendlichen sind direkter, offener, unkonzentrierter. Wir waren damals
schüchterner, gehemmter und ‚dressierter’. Das hat Vor- und
Nachteile...
Die Hoffnungen und Träume - das überrascht mich immer wieder neu- sind
sich jedoch gleich geblieben. Man träumt von einem spannenden Beruf,
von der grossen Liebe, von Erfolg und davon, genug Geld zu verdienen,
um sich die materiellen Wünsche erfüllen zu können. Da ich Kinder und
Jugendliche nach wie vor liebe und ihre Entwicklung neugierig verfolge,
bedeutet das Schreiben für mich keine Herausforderung, sondern vor
allem Freude, - es zwingt mich auch, in dieser Zeit zu leben, sie wach
wahrzunehmen.
Schsch: Welche typischen Fehler
kann man als Jugendbuchautor/in machen? Was kommt bei den Jungen gar
nicht an und was dagegen ist besonders wichtig und beliebt?
Maja Gerber-Hess: Das
‚Anbiedern’ kommt bei Jugendlichen meistens nicht an. Sie akzeptieren,
dass man ihre Sprache nicht nahtlos übernimmt, finden es lächerlich,
wenn sich Alternde wie Teenager kleiden, bewegen, ausdrücken.
Wenn ich schreibe, dann denke ich aber ohnehin nicht bereits daran, was
ankommen wird oder was allenfalls nicht... Ich schreibe so, wie ich
empfinde - den einen gefällt es, den andern eben nicht.
Schsch: Wie lange schreiben Sie an einem Buch und wie lange überarbeiten Sie es dann?
Maja Gerber-Hess: Ich schreibe
- nach langem innern ‚Umherwälzen’ und Recherchieren!- sehr rasch.
Innerhalb weniger Wochen ist ein Buch in Rohfassung geschrieben. Danach
lege ich den Text beiseite. Nach vielleicht einem Monat lese ich das
Geschriebene und entscheide, ob sich eine Überarbeitung lohnt. Oft
lösche ich ein ganzes Manuskript, weil ich es qualitativ schlecht
finde. Wenn nicht, beginnt das sorgfältige Überarbeiten, das mehrere
Monate dauern kann, - ich feile, lösche, schreibe neu, formuliere
besser...
Das mache ich nicht so gerne, es ist eine Fleissarbeit, nicht mehr sehr
kreativ. Erst dann achte ich auch darauf, ob das Zielpublikum, Kinder
oder Jugendliche, den Text verstehen können.
Schsch: Haben Sie vorwiegend
jugendliche Erstleser? Und wann bekommen diese das Manuskript? Noch
bevor es zum Lektor geht oder erst danach?
Maja Gerber-Hess: Ja, es sind
schon vorwiegend Jugendliche Erstleser. Sehr oft erlebe ich aber, dass
sich dann auch Mütter für ein Buch interessieren- oder Väter.
Früher haben meine Söhne ein Manuskript gelesen, bevor ich es an den
Verlag geschickt habe. Jetzt sind es zwei, drei junge Mädchen oder eine
meiner Freundinnen, die ein Manuskript lesen und ihr Urteil abgeben.
Schsch: Was raten Sie uns
Erstautoren, die ein Jugendbuch geschrieben und überarbeitet haben? Wie
sollen wir weiterfahren? Verlage anschreiben, einen Agenten suchen oder
das Buch im Selbstverlag herausgeben?
Maja Gerber-Hess: Um zu raten,
fehlt mir das Wissen! Ich persönlich hatte sehr viel Glück mit meinen
Texten, weil ich keine Mühe hatte, einen Verlag zu finden. Heute aber
werden Verlage überschwemmt mit unzähligen Texten, viele Manuskripte
werden kaum noch angelesen. Ich kenne etliche Autoren, die ihr erstes
Buch schliesslich im Selbstverlag veröffentlichten.
Schsch: Was haben Sie selber mit ihrem ersten Manuskript gemacht?
Maja Gerber-Hess: Mein
allererstes Manuskript 'Der Zaubervogel' hatte ich, da wir damals in
Bern wohnten, mutig an den Blaukreuz- Verlag geschickt. Als ich dann
erfuhr, dass es angenommen wird, konnte ich es fast nicht glauben. Ich
frage mich heute, ob ich den Text auch nach einer Absage noch an
weitere Verlage geschickt hätte!
Schsch: Nach welchen Kriterien wählen Sie heute Ihren Verlag aus?
Maja Gerber-Hess: Ich bin eine
eher bequeme Frau, - wenn ich einen Verlag habe, der mich gut vertritt,
bleibe ich auch mit dem nächsten Buch bei ihm... Aber: Eine gute
Zusammenarbeit mit der Lektorin, dem Lektoren ist mir wichtig! Dass ich
Antwort auf Fragen erhalte, E- Mails beantwortet werden, ich informiert
werde, was geht... Das alles ist keineswegs eine
Selbstverständlichkeit!
Schsch: Ihre Bücher verkaufen
sich im ganzen deutschsprachigen Raum. Wieviele Exemplare verkaufen Sie
durchschnittlich von einem Titel? Und welches war Ihr bisher
erfolgreichstes Buch?
Maja Gerber-Hess: Mein
erfolgreichstes Buch war Reto HIV positiv, davon sind sicher mehr als
zehn Auflagen erschienen. Wie viele Bücher ich total verkaufen konnte,
weiss ich nicht. Die Rechte für Taschenbücher wurden vom
Ursprungsverlag verkauft, dafür bekam ich pro Buch eine Pauschalsumme,
aber keine Prozente mehr am Verkauf. Ich wurde deshalb danach auch
nicht mehr orientiert, wie viele Bücher ‚über den Ladentisch’ gingen,
weil ich meinen Verdienst ja bereits erhalten hatte.
Meine Erstauflagen umfassen um die 4000 Bücher, fast alle meine
Bücher sind in mehreren Auflagen und später noch als Taschenbücher
erschienen.
Schsch: Können Sie vom Schreiben und den Lesungen leben oder was tun Sie allenfalls noch, um Geld zu verdienen?
Maja Gerber-Hess: Nein, ich
könnte nicht vom Schreiben und den Lesungen leben, obwohl meine Bücher
wohl überdurchschnittlich gut ‚verkauft’ werden und ich sehr oft auf
Lesereisen im In- und Ausland bin. Ich habe aber das Glück, nicht vom
Schreiben leben zu müssen, - im Gegensatz zu manchen Kollegen und
Kolleginnen. Während Jahren arbeitete ich noch in der
Gemeindebibliothek mit, heute noch immer fürs Jugendfilmwesen des
Kantons Zürich.
Schsch: Arbeiten Sie im Moment an einem neuen Buch?
Maja Gerber-Hess: Ja, Ich habe soeben ein Kinderbuch abgeschlossen, es wird im nächsten Frühjahr im Verlag Sauerländer erscheinen.
Schsch: Im Namen der
Schreibszene Schweiz sowie den Nutzern und Nutzerinnen des
Schreibforums bedanke ich mich ganz herzlich für Ihre interessanten und
anregenden Antworten und für die Zeit, die Sie sich für uns genommen
haben.
Maja Gerber-Hess: Ich möchte
zum Schluss noch anfügen: Das Schreiben ist eine grosse Freude! Niemand
sollte sich entmutigen lassen, wenn es mit der Veröffentlichung eines
Textes nicht auf Anhieb klappt!
Schsch: Vielen Dank, Frau Gerber-Hess für Ihre ermutigenden Worte und auch Ihnen viel Glück mit Ihrem neuen Kinderbuch!
copyright: Schreibszene Schweiz
Karin Jörger-Egger
Autorin und Novemberschreibende hat
für Schreibszene Schweiz das Interview
geführt. Herzlichen Dank!
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Karin Jörger-Egger - Buchvernissage
Die Regenbogenbrücke
Ein mystischer Roman
ISBN 978-3-85603-057-5
Zusammen mit Elfen, Gnomen, Wichteln und Feen
stehen ünf Kinder vor der grossen Aufgabe, uns
Menschen das eich der Naturwesen wieder nahe
zu bringen.
Karin Jörger-Egger liest aus ihrem Debütroman am
Samstag, 12. Mai 2007 um 14 Uhr
in der Bürgerhütte im Hudelmoos, Zihlschlacht
Buchbestellungen:
Karin Jörger-Egger
joerger.karin * bluewin.ch
071 411 14 31
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