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Simona Ryser


Simona Ryser, geboren 1969 in Zürich, hat
nach einer Lehre als Verlagsbuchhändlerin,
einige Zeit beim Diogenes Verlag gearbeitet
und dann die Matur über den zweiten Bildungs-
weg nachgeholt. Sie absolvierte eine Gesangs-
aubildung am Opernstudio Biel und studierte
zudem an der Universität Zürich Philosophie,
Neuere deutsche Literatur und Religions-
wissenschaften. Bei Schweizer Radio DRS 2
machte sie eine Ausbildung als Hörspiel-
regisseurin und produzierte Hörspiele für
DRS, NDR und SR.
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Simona Ryser arbeitet freischaffend als Autorin, Sängerin und Hörspielregisseurin.
Ihr Roman „Maries Gespenster“ erschien 2007 im Limmatverlag und wurde mehrfach
ausgezeichnet.

Interview: Ruth Loosli

Simona Ryser hat den Rauriser Literaturpreis erhalten für ihr Buch „Maries 
Gespenster“.
R.L.: Ich gratuliere dir ganz herzlich zu diesem tollen Erfolg! Meine erste
Frage bezieht sich auf dieses Ereignis: Was bedeutet dir dieser Preis?
Was bedeutet ein solcher Preis allgemein für eine Schriftstellerin?

Simona Ryser: Vielen Dank! Ja, es ist eine riesige Freude, einen solchen
Preis zu erhalten. Zum einen auf der persönlichen Ebene: Es ist eine
Anerkennung, eine Belohnung für die doch relativ lange einsame Zeit, die
man als kulturschaffender Mensch verbringt. Allgemein ist es ein Wahr-
nehmen und Anerkennen der eigenen Arbeit. Dazu kommt natürlich das
Preisgeld. Da ich freischaffende Künstlerin bin  ist dieses Geld sehr willkom-
men. Es ist wunderbar, dass die drei Preise der „ Studer/Ganz-Preis,
ein Werkbeitrag des Kantons Zürich und der Rauriser Literaturpreis“ von
diesem Buch ausgegangen sind.
Im Bereich Literatur bewegt man sich eher in bescheidenerem Rahmen,
wenn man nicht gerade eine Bestsellerautorin ist. Gleichwohl zieht das
Ganze weitere Kreise. Vielleicht ein paar Besprechungen mehr, das Buch
erscheint auch mal auf den Leselisten an den Unis, einige Einladungen zu
Lesungen und an Festivals sind dazugekommen, man trifft andere Autoren
und Medienschaffende. Zudem unterstützt einen ein solcher Preis dabei,
einen langen Atem zu entwickeln – denn so einen braucht man als
Kulturschaffende.

R.L.: Schreibst du schon lange? Hast du keine Mühe, Musik und Schreiben
zusammen zu bringen – zeitmässig?

Simona Ryser: Ich habe mit 13 Jahren beschlossen, Schriftstellerin zu werden.
Damals habe ich angefangen zu schreiben und in Zeitschriften zu veröffentlichen.
Später habe ich zwei Romane geschrieben, die jedoch nicht publiziert wurden.
Mit 20 beschloss ich, mich „zurück zu ziehen“, mich auf mein Schreiben zu
konzentrieren, um eine eigene Sprache zu entwickeln und mich nicht um das
Veröffentlichen zu kümmern. Zur gleichen Zeit ist die Musik dazugekommen,
ich habe angefangen zu singen. Eine Zeit lang pendelte ich zwischen Uni Zürich
und Opernstudio Biel und ich konnte mich von verschiedensten Seiten inspirieren
lassen. Nach Abschluss des Opernstudios und später nach dem Lizentiat fühlte
ich mich allerdings auch zerrissen zwischen zwei Welten. Die Literatur, die
Auseinandersetzung mit Texten schien mir nicht vereinbar mit der Welt der
klassischen Musik der traditionellen Konzertsäle. Ich begann eigene szenische
Projekte zu entwickeln, die an alternativen Orten zur Aufführung kamen – und
zum Glück hat sich in dieser Hinsicht die Szene auch ziemlich gelockert. Gewisser-
massen wie eine Erlösung kam mir dann die Ausbildung als Hörspielregisseurin
bei DRS 2 vor. Das Hörspiel verbindet geradezu in idealer Weise Text und Musik,
das Kompositorische ist zentral. Seither fällt es mir viel leichter in den verschiedenen
Bereichen zu arbeiten und diese auch für einander nutzbar zu machen.

R.L.: Du bist Mutter geworden. Wie bringst du die verschiedenen Rollen in deinem
Alltag zusammen?

Simona Ryser: Den Roman „Maries Gespenster“ habe ich vor meiner Familien-
gründung geschrieben. Meine Tochter ist noch klein, den Alltag gilt es immer wieder
neu zu organisieren. Trotz sehr guter Unterstützung und organisierter Betreuung 
muss ich mir Freiräume offensiver schaffen Doch die Wahrnehmungen sind
mindestens so intensiv wie vorher. Und ein kleines Kind fordert einen ja gerade auch
in kreativer Hinsicht heraus.

R.L.: Wie fühlst du dich in den verschiedenen Rollen in der Gesellschaft wahrgenommen?

Simona Ryser: Da ich diese Preise erhalten habe, fühle ich mich zur Zeit gut.
Anerkennung ist  wichtig. Es hat mir Selbstvertrauen gegeben.
Aber unabhängig davon ist meine Haltung wichtig: So wie ich mich selber wahrnehme,
werde ich auch von aussen wahrgenommen. Das bedeutet allerdings auch, nur wenn
es mir gelingt, mich bei meiner Arbeit wirklich ernst zu nehmen, kann ich diese auch
vermitteln. Und natürlich gibt es immer wieder Zeiten voller Selbstzweifel.

R.L.: Hast du das Bedürfnis, dich politisch zu äussern? Aktuell z.B. in der Tibetfrage.
Gibt es Gefässe, wo das kurzfristig möglich ist?

Simona Ryser: Als Kulturschaffende bin ich sehr engagiert, meine Fühler sind im
Bereich des Gesellschaftlichen, ich versuche Abgründe im Privaten, Verborgenen
aufzuspüren. Im Bereich der Musik ist es mir zum Beispiel auch wichtig, sogenannt
elitäre Musik zugänglich zu machen. Meine ganze Arbeit ist mit einem Engagement
verbunden.
Mich  mit den Mitteln des politischen Diskurses zu äussern, liegt mir nicht, weil es
nicht meine Sprache ist. Meine Mittel sind im kreativen Bereich, sprach – schaffend,
da ist das Politische und Gesellschaftliche eingeschlossen. Ich versuche einfach,
mit meinen Möglichkeiten zu arbeiten.

R.L.: Es ist schwierig, ein Buch zu veröffentlichen. Welche Möglichkeiten kannst du
„AnfängerInnen“ empfehlen?

Simona Ryser: Es ist wirklich härter geworden, man muss „umtriebig“ sein, ev.
eine Agentin suchen und finden, Angebote von z.B. „Schreibszene“ benützen,
Verlagsprogramme anschauen und ev. telefonisch abklären, ob ein Manuskript
eingeschickt werden kann. Literaturzeitschriften anschauen und schauen, ob man
etwas einschicken kann. An Wettbewerben teilnehmen.
Es gilt, sich nicht entmutigen zu lassen!!! Und vielleicht ist es auch sinnvoll, die
eigene Arbeit voranzutreiben ohne bereits auf eine Veröffentlichung zu schielen.

Mehr Infos über Simona Ryser

Informationen über Ruth Loosli

Copyright: Ruth Loosli
 
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