Archiv für die Kategorie ‘Sascha Erni’

Karriere, Anthologien und der Mailänder Dom.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Ein Texter schafft sich einen Namen dadurch, guten Text zu liefern. Kann er sich dann auch noch anständig präsentieren, steht es auch um den Biervorrat im Kühlschrank nicht all zu schlecht. Auch klar: Nicht nur während Wirtschaftskrisen klammert man sich an Stammkunden wie ein verängstigter Bonobo an die Genitalien anderen Bonobos. Stammkunden sorgen dafür, daß man kalkulieren kann. Ihr wißt schon: „Darf ich mir im Februar den neuen Drucker leisten, oder muß ich dafür auf Toilettenpapier verzichten?“ Solche Dinge.

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Aber wie macht das ein Autor? Der hat ja eher selten eine Stammkundschaft sondern ist ständig auf der Suche nach Veröffentlichungsmöglichkeiten. Schreibt man regelmäßig Artikel für Magazine oder Websites, nun ja, dann fällt die Kalkulation einfacher. Aber wie sieht es bei den ausschließlich schöngeistigen Schreiberlingen aus?

Hoffentlich ist da kein Affen-Sex involviert …

Zumindest wenn man keine Biologie-Thriller (oder eigenartige Glossen) tippselt, sollten die rekreativen Tätigkeiten von Primaten eine eher geringe Rolle bei der eigenen Karrierebildung spielen.

Prinzipiell ist der Ansatz aber derselbe wie bei Textern: Sich einen Ruf erarbeiten, seine Person „vermarkten“ und nach Stammkundschaft suchen – in Form eines Verlagsvertrags über mehrere Bücher. Bei Unterhaltungs-Autoren spielt auch der Faktor „Glück“ eine nicht zu unterschätzende Rolle. Zumindest dann, wenn man es zum Bestseller-Heini bringen möchte. Du kannst die besten Romane aller Zeiten schreiben, den wirklich großen Durchbruch schaffst du erst, wenn mal Hollywood vorbeikommt und ein David Fincher oder so dein Werk verfilmt. Mal ernsthaft, wer las schon Palahniuk vor der Verfilmung von „Fight Club“?

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Dinner for Two oder Vier Augen Hören mehr als Zwei

Sonntag, 08. November 2009

In früheren Glossen ließ ich durchscheinen, daß viele Texter eigenbrötlerische Egomanen sind. Niemand soll ins Getippsel quatschen. Und wenn der Kunde unzufrieden sein sollte, nun ja, dann ist das dessen Problem. Auch die Einmischung von Lektoren und Textredakteuren wird eher mit Argwohn beäugt. So ähnlich wie das Stück Käse vom Sommer 2001, das noch immer in Plastik gewickelt im Kühlschrank liegt und eine Generation Schimmel beherbergt, die gerade die Keilschrift erfunden hat. Aber ich schweife ab.

Kurz gesagt: Die Großzahl der Texter und Autoren möchte gerne ihr Ding durchziehen. So auch ich. Aber diese Woche habe ich etwas Interessantes erlebt, als ich mit einem befreundeten Schreiberling am Mac saß. Wirklich, wirklich interessant.

Irgendwie klingt das schmutzig und mein Kopfkino geht gerade los …

Nein, nein! Nein. Total unschmutzig, Internet-Pornographie war nicht involviert. Aber – wir haben einen Text redigiert. Gemeinsam. Gemeinsam! Und ich fragte mich anschließend, ob ich den Einsiedler-im-Wald-Narr-aufm-Hügel-Ansatz verwerfen sollte.

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Von Kommunikationskonzepten und G&T

Samstag, 10. Oktober 2009

Ich hatte in anderen Glossen angedeutet, daß sich manche Texter gerne pompös als „Kommunikationsberater“ bezeichnen. Ergibt ja auch irgend wie Sinn – guter Text ist nie losgelöst von der Gesamtkommunikation eines Kunden. Der Text muß sitzen wie der maßgeschneiderte Anzug aus dem letzten London-Urlaub. Also liegt es nahe, daß die Texterin auch „Konzept“ anbietet. In einer idealen Welt setzt jeder Auftragsgeber entweder bereits so etwas ein oder verlangt auf Knien danach, ihm ein solches Dingens auszuarbeiten.

Ja, ja. Die ideale Welt. Wo der Blick auf reißerische Schlagzeilen verzichtet und die NZZ sich öffentlich für das hässliche Redesign der Zeitung entschuldigt. Die ideale Welt, wo sich alle lieb haben und es trotzdem nicht arschlangweilig wird. Die ideale Welt, wo das Wetter immer zu aktueller Stimmungslage und Wärmebedürfnis paßt, und zwar für jeden Menschen individuell, gleichzeitig. Genau.

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Heidelberger Appell: Christoph Hardebusch zieht Unterschrift zurück

Mittwoch, 24. Juni 2009

Zum Heidelberger Appell schrieb ich bereits etwas. Auch, daß sich nicht wenige Autoren fragen, ob es wirklich sinnvoll ist, seine Unterschrift zu leisten.

Nun ja, nicht als erster zog der Phantastik-Autor Christoph Hardebusch heute seine Unterschrift zurück. Aus seiner Begründung hervorzuheben ist insbesondere diese Passage:

Einer der Gründe für meinen Entschluss war die Gesellschaft, in die man sich begeben hat. Nicht wenige Äußerungen von Unterzeichnern haben mir ein Kopfschütteln abverlangt, da dort ein reaktionäres, weltfremdes Verständnis des Internets und der technologischen Veränderungen unserer Zeit zutage kamen.

Ich denke, das dürfte ziemlich eindeutig sein. Nur, weil man Google nicht mag, sollte man sich nicht der Realität des digitalen Zeitalters verschließen. Hoffen wir, daß auch weitere Autoren konsequent sein werden.

VG Wort-Beschluß zum Google-Settlement: „Urheberrecht vom Kopf auf die Füße stellen“

Montag, 25. Mai 2009

Die Verwertungsgesellschaft Wort beschloß in der Mitgliederversammlung vom 23. Mai 2009 die Strategie zum Umgang mit Google – respektive mit dem Online-Angebot Google Book Search.

In der Pressemitteilung ist unter anderem zu lesen:

Der Beschluss der Mitgliederversammlung sieht vor, dass die VG Wort die Vergütungsansprüche für die bis zum 5. Mai 2009 von Google digitalisierten Werke einzieht, gleichzeitig aber die in Deutschland erschienenen Werke aus dem Digitalisierungsprogramm von Google zurückzieht. Dies wiederum wurde mit der Möglichkeit verbunden, dass die VG Wort in Zukunft digitale Nutzungen von vergriffenen Werken – im Unterschied zu lieferbaren Werken - lizenzieren kann, wenn die Rechteinhaber damit einverstanden sind.

Das Ganze setzt natürlich voraus, daß der angestrengte Vergleich zwischen Google und dem US-Autorenverband Authors Guild zu Stande kommt. Nichts desto trotz gibt die VG Wort ziemlich Gas:

Dessen ungeachtet wird die VG Wort in Kürze sämtliche Wahrnehmungsberechtigten und Bezugsberechtigten über die Änderungen des Wahrnehmungsvertrages und des Inkassoauftrags für das Ausland sowie das weitere Verfahren informieren.

Kurz gesagt kommt es zu einer Vertragsänderung für die immerhin rund 360.000 Autoren und 8.000 Verlage, die bei der VG Wort registriert sind. Das Problem bei der Sache:

Ja, es werden Infoschreiben verschickt. Aber wenn man dann nicht innerhalb von sechs Wochen persönlich Widerspruch einlegt, falls man möchte, nun ja, gilt die Vertragsänderung als angenommen. Stillschweigend.

Allen Autoren und Verlagen, die mit der VG Wort zusammenarbeiten, kann ich entsprechend nur raten: Nutzt die Zeit, um euch zu informieren, ob diese Lösung wirklich das ist, was ihr haben wollt.

Schreibblockaden und Stoßdämpfer

Samstag, 04. April 2009

Ein Gespenst wandelt unter den Schreiberlingen dieser Welt. Es befällt die Besten genau so wie Anfänger und die hoffnungslosen Fälle. Das Gespenst hat keine festen Konturen, aber einen schreckensvollen Namen: Schreibblockade. Und auch ich wurde immer wieder von ihm heimgesucht. Obwohl es eigentlich nur ein Schreckgespenst ist.

Nur ein Schreckgespenst? Die Schreibblockade hat mich schon x Aufträge gekostet!

Nun ja. Ich gebe es zu: Schreibblockaden sind unangenehm. Können einem wirklich den letzten Nerv rauben. Man sitzt unter Zeitdruck an seinem Manuskript, in vier Stunden muß es an die Jury verschickt werden. Und man hat keine Idee, wie man den herzensguten aber sarkastischen Mittvierziger mit der hochintelligenten aber spröden Lehrerin verkuppeln kann. Oder wie man den Supermagneten doch noch etwas interessanter darstellen könnte, damit ihn nicht nur coole New-Economy-CEOs kaufen. Denn davon gibt’s zu wenige, als daß sich die Produktion lohnen würde. Aber ich schweife ab.

Eigentlich sind Schreibblockaden keine Straßensperren, sondern nur Schlaglöcher auf der Route des Tippslers. Der hoffentlich mit guten Stoßdämpfern ausgestattet ist, sonst hätte er sich besser nicht auf den Weg gemacht. Ein wenig so, wie wenn einer Chirurg würde, der kein Blut sehen kann. Aber es ist schon so: Manchmal weiß man einfach nicht, was schreiben. Wie sich ausdrücken. Manchmal ist der Kopf so leer wie nach einer durchzechten Absinth-Nacht. Das passiert sogar Teetrinkern, und nicht zu selten. Aber jeder lernt früher oder später, damit umzugehen.

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Der Heidelberger Appell, GoogleBooks und Total-Buy-Out

Donnerstag, 26. März 2009

Ja, ein langer Titel. Aber die Sache ist auch recht verstrickt. Heute morgen, beim Prokrastinieren, stieß ich ausgerechnet auf einer deutschen Computer-Website auf den wohl besten Artikel zum Thema. Jedenfalls den ausgewogensten Artikel dazu, den man zur Zeit im Netz findet:

Ein Kulturkampf um das Wissen (Golem.de)

Der Text zeigt eindrücklich die Probleme auf, denen sich heutzutage Autoren stellen müssen. Besonders hervorzuheben ist die Sache mit den Total-Buy-Out-Verträgen. Kurz gesagt übergibt man dem Verlag sämtliche Nutzungsrechte und Verwertungsrechte an seinen Texten – ohne genauere Hinweise darauf, was denn mit dem Werk konkret gemacht werden darf. Der Autor behält also genau noch sein persönliches Urheberrecht, das vollständige (deutsche) Urheberrecht ist zwar noch da, aber zahnlos.

Und der Text landet irgendwann auf GoogleBooks, und der Autor sucht händeringend nach seinem Verlags-Vertrag und einer Möglichkeit, das Werk wieder aus dem Netz zu löschen. Wofür es dann zu spät ist, archivieren doch verschiedene andere Webdienste unter anderem eben auch GoogleBooks … Einmal im Netz, immer im Netz. Gratis und frei Haus. Ganz abgesehen davon, ob Google das jetzt machen darf (weil ein Vertrag mit dem Verlag besteht) oder den Raubritter raushängen läßt.

Selbst schuld, könnte man sagen, aber nun ja: Außer die paar wenigen Bestseller-Autoren, die regelrecht von den Großverlagen umworben werden … trifft es heutzutage eigentlich die meisten (deutschen) Autoren. Ein stärkeres Urheberrecht, wie vom Heidelberger Appell gefordert, würde dem gemeinen Schreiberling nicht viel bringen. Manche gehen so weit, es gar als kontraproduktiv zu bezeichnen.

Aber lest selbst. Ein lohnender Artikel, der wohl bei vielen Schreibern das Gedankenkarussell zum drehen bringen wird …

Eike, reloaded.

Donnerstag, 19. März 2009

In der aktuellen Textín-Ausgabe ist ja dieser Artikel von mir drin. Eike. Leute, die sich unter Wert verkaufen und damit die ganzen anderen Autoren und Texter ziemlich in Verlegenheit bringen.

Nun ja, ich habe ein Interview mit Harlan Ellison gefunden, das es auf den Punkt bringt. Ihr wißt schon. Der Autor, der unter anderem auch an Star Trek geschrieben hat und als Berater für Babylon 5 tätig war.

Sicher, Amerika. Aber dasselbe ist auch hier Gang und Gäbe. Oder Gang und Gebe? Oder gang und gäbe? Egal. Die Nachricht zählt. Schaut’s Euch an. Und bildet Euch eine eigene Meinung. Das dürfte für jeden professionell Schreibenden interessant sein.

Pragmatische Rechtschreibung?

Montag, 16. März 2009

Viele fragen sich, zu recht: Wie soll man denn jetzt wirklich schreiben? Die Reform wurde reformiert, es gibt zig Alternativen und Möglichkeiten. Auch uns als Texter und Autoren sollte das beschäftigen – Korrektorat und Lektorat hin oder her. Und als ich heute in der Zeitung den Artikel eines SOK-Mitglieds gelesen habe … Ihr könnt es Euch vorstellen.

SOK steht für „Schweizer Orthographische Konferenz“. Mitglieder sind alle möglichen Leute, von Zeitungs-Redakteuren über Gymnasiallehrer bis zu Germanistik-Professoren, Verlagslektoren und Korrektoren. Gegründet wurde die Konferenz als Antwort auf die Rechtschreibreform. Denn wirklich glücklich war niemand darüber, der auch wirklich damit arbeiten mußte.

Auf ihrer Website finden sich die Empfehlungen der SOK. Also, wie man denn im Wirrwarr der gegenwärtigen Regelungen schreiben könnte. Oder sollte? Die SOK sieht sich als Berater, nicht als Vorschreiber. Dennoch ist es so, daß die allermeisten Empfehlungen der SOK von fast allen größeren Zeitungen und Magazinen im deutschsprachigen Raum eingehalten werden. Sei es FAZ, SZ, NZZ, Suhrkamp – sie alle arbeiten nach ähnlichen oder gar den gleichen Richtlinien. Als Grundlage zur eigenen Haus-Orthographie.

Also Grund genug, sich die Sache näher zu betrachten. (more…)

Get Shorty!

Samstag, 07. März 2009

Jeder, der schreibt, kennt das Problem: Die Texte werden zu lang. Okay, vielleicht nicht, wenn man seine Erfüllung bei Twitter sucht. Aber prinzipiell? Egal, ob mit Stift oder Computer? Man schreibt zu viel.

Wie kannst Du sagen, daß man zu viel schreibt? Man schreibt doch genau das, was einem unter den Fingernägeln brennt!

Ja, aber oft ist es so, als ob man Natrium unter den Nägeln hätte. Man schreibt und schreibt, und hat plötzlich 26.000 Zeichen getippselt. Obwohl für diesen bestimmten Wettbewerb nur 12.000 Anschläge gefordert waren. Oder obwohl das Ganze als Kurzeinleitung auf eine Website soll, nicht als geschichtliche Abhandlung zum Werdegang der Bundesrepublik.

Schriftsteller kennen das sehr gut. Außer, sie heißen Hemingway, aber dann hat man ganz andere Probleme. Wie zum Beispiel, daß man tot ist. Aber ich schweife ab. (more…)